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Interview mit Helen Steiniger von NEXT Kraftwerke GmbH

Die Gründer von NEXT Kraftwerke

Die Gründer von NEXT Kraftwerke

Über dieses Interview freue ich mich schon sehr lange. Dieses durfte ich mit Helen Steiniger von der NEXT Kraftwerke GmbH führen. Dieses innovative Unternehmen wurde von Hendrik Sämisch und Jochen Schwill gegründet und verfolgt ein wirklich spannendes Konzept.

Ich selbst hab davon mal zufällig etwas gehört und war gleich begeistert von der Idee. Doch ich möchte nicht zu viel verraten, denn was sich dahinter verbirgt wird uns Frau Steiniger sicherlich gleich selbst verraten.

Hallo Frau Helen Steiniger, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Ich arbeite bei Next Kraftwerke als Online Redakteurin in der Unternehmenskommunikation. Das heißt, ich kümmere mich insbesondere um die Inhalte unserer Website.

Könnten Sie vielleicht meinen Lesern ein bisschen was über die „Next Kraftwerke“ und das Konzept dahinter erzählen?

Next Kraftwerke vernetzt dezentrale Stromerzeuger (zum Beispiel Biogas-, Wasserkraft-, Windkraft- und Solaranlagen und Notstromaggregate) und Stromverbraucher (zum Beispiel Kühlhäuser und Industriepumpen und Power-to-Heat-Anlagen) in einem Virtuellen Kraftwerk, dem Next Pool. Über dieses Virtuelle Kraftwerk können wir die gebündelte Leistung der Anlagen an verschiedenen Strommärkten anbieten. Alleine könnten die Anlagen insbesondere am Regelenergiemarkt gar nicht teilnehmen, weil dort eine Mindestgröße von 5 MW vorgeschrieben ist. Im Verbund schaffen wir diese Hürde.

Wie muss man sich so einen klassischen Weg denn vorstellen? Also von der Erzeugung des Stroms (z.B. Solaranlage) zu dann letztendlich dem Geld in der Tasche des Erzeugers?

Bei Solaranlagen und anderen Erneuerbaren greift in aller Regel das EEG. Die aktuelle Version schreibt dabei vor, dass alle Anlagen mit mehr als 100 kW Erzeugungsleistung direktvermarktet werden müssen. Die Betreiber haben also die Pflicht für ihren erzeugten Strom einen Käufer zu finden. Diese Aufgabe nehmen wir ihnen ab, indem wir ihre Anlage in unseren Next Pool aufnehmen. Dann übernehmen wir die Verantwortung für die Prognose und den Verkauf ihrer Strommengen. Die Erlöse aus der Direktvermarktung erhält der Betreiber und wir behalten davon eine kleine Prämie ein.

Über die Direktvermarktung hinaus steht flexiblen Anlagen  die Möglichkeit offen, ihre Leistung als Regelenergie anzubieten, die zur Stromnetzstabilisierung eingesetzt wird. Das ist ein eigenständiger Markt, der von den Übertragungsnetzbetreibern organisiert wird. Der Regelenergiemarkt ist auch für Notstromaggregate sehr interessant, da sie in der Regel aus dem Stand heraus ihre volle Leistung bereitstellen können. Wenn im Netz zu wenig Strom vorhanden ist, um die Nachfrage zu decken, können Notstromaggregate angeworfen werden und damit die Netzfrequenz für einige Minuten stabilisieren. Dafür werden sie von den Netzbetreibern entlohnt. So können Aggregate, die sonst meistens stillstehen würden, gewinnbringend eingesetzt werden.

Seit wann gibt es die Firma?

Next Kraftwerke wurde im Jahr 2009 gegründet.

Was bieten Sie Ihren Kunden alles für Leistungen?

Wir bieten eine breite Palette von Stromdienstleistungen an:

  • Direktvermarktung von Strom aus Erneuerbaren
  • Strompreisorientierte Fahrweise von flexiblen Stromerzeugern und -verbrauchern
  • Stromlieferung mit variablen und fixen Stromtarifen
  • Zugang zum Regelenergiemarkt
  • Beratung von Biogasanlagenbetreibern bei der Flexibilisierung ihrer Anlage
  • Bilanzkreis-, Portfolio- und Fahrplanmanagement, zum Beispiel für Stadtwerke

Sie bieten auch die Möglichkeit, ein Notstromaggregat bei Ihnen mit zu vernetzen. Ab welcher Größe macht das denn (wirtschaftlich) Sinn?

Etwa ab einer Leistung von 200 kW macht die Einbindung von Notstromaggregaten in das Virtuelle Kraftwerke Sinn. Technisch ist das auch für kleinere Anlagen möglich, aber in der Regel sind die Anschlusskosten für kleinere Anlagen zu hoch.

Direkt auf Ihrer Startseite liest man ja „Gemeinsam sind wir Megawatt“ – Was heißt das für Sie persönlich?

Ganz einfach gesprochen bedeutet „Gemeinsam sind wir Megawatt“, dass viele kleine dezentrale Anlagen zusammen genommen so groß sind, dass sie an Märkten teilnehmen können, die ihnen vorher verschlossen waren. Im übertragenen Sinne bedeutet es aber auch, dass viele kleine Anlagen im Verbund systemrelevant werden. Eine einzelne Anlage hat vielleicht nur einige kW flexible Leistung, aber zusammen genommen bündeln sie ihre Flexibilität und können gemeinsam die schwankende Einspeisung von Solar- und Windanlagen ausgleichen, die das Stromnetz belasten. Durch die Vernetzung können kleine Anlagen also leisten, was sonst nur Großkraftwerke leisten konnten. Das bedeutet eine Demokratisierung des Strommarkts.

Worauf sind Sie in Ihrer Firma besonders stolz?

Wir sind besonders stolz, dass wir einen Anteil daran hatten, den Strommarkt maßgeblich zu verändern, der noch vor ein paar Jahren von großen Konzernen dominiert war. Heute ist es so weit, dass Erneuerbare Energien die Schwankungen, die sie im Netz verursachen, ein Stück weit selbstständig ausgleichen. Flexible Erzeuger wie Biogasanlagen und Notstromaggregate helfen dabei. Auch mehr und mehr Stromerzeuger werden aktiv und verbrauchen ihren Strom vornehmlich dann, wenn er reichlich vorhanden und damit sehr günstig ist. In 2009, als wir angefangen haben, war ein solcher Strommarkt noch nicht denkbar und viele Menschen dachten, unsere Vision sei nicht umsetzbar. Heute können wir sagen, dass wir den richtigen Riecher hatten.

2016 hat begonnen. Gibt es konkrete Ziele für dieses Jahr?

In 2016 wird es viel darum gehen, industrielle und gewerbliche Stromverbraucher mit flexiblen Prozessen davon zu überzeugen, dass sie durch einen strompreisorientierten Verbrauch das Stromnetz stabilisieren und gleichzeitig Geld verdienen können. Außerdem arbeiten wir daran, noch einfachere Möglichkeiten zu entwickeln, Anlagen in den Next Pool zu integrieren. Je günstiger der Anschluss wird, desto eher wird es sich lohnen auch kleine Anlagen einzubinden. In diesen Punkten möchten wir dieses Jahr unbedingt noch weiter vorankommen.

Vielen Dank Frau Steiniger für das nette Interview


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